Warum Sehschärfe im Straßenverkehr nicht alles ist



04.06.2018

Um sicher am Straßenverkehr teilzunehmen – sei es hinter dem Steuer eines Fahrzeugs, als Radfahrer oder Fußgänger – ist nicht nur die Sehschärfe entscheidend, sondern eine Vielzahl von Sehfunktionen.


Der Punkt in unseren Augen, der für scharfes Sehen zuständig ist, heißt Fovea und macht nur einen sehr kleinen Teil von etwa 0,01 Prozent der Netzhaut aus. Im Straßenverkehr spielen weitere Sehfunktionen eine wichtige Rolle. Für den „normalen“ Führerschein ist dennoch nur ein Test zur Überprüfung der Sehschärfe vorgeschrieben.

Gutes Sehen ist mehr als Sehschärfe
Der Augenoptiker und Optometrist kann einen weitaus größeren Teil der Netzhaut überblicken. Dies ist einerseits wichtig, um frühzeitig Auffälligkeiten zu entdecken, die eventuell auf eine Augenerkrankung schließen lassen und einer weiteren Abklärung durch den Augenarzt bedürfen. Andererseits kann der Optometrist Sehfunktionen testen, die im Straßenverkehr wichtig sind wie das Dämmerungs- und Kontrastsehen, das Gesichtsfeld oder die Motilität (aktive Augenbeweglichkeit).

Beim Fahren in der Dunkelheit spielt beispielsweise die reine Sehschärfe nur eine untergeordnete Rolle – Dämmerungs- und Kontrastsehen sowie die Bewegungswahrnehmung sind in diesem Fall wichtiger. Je nach Situation und Witterung verarbeitet unser Gehirn demnach verschiedenste Seheindrücke und kombiniert diese zu einem Bild, das uns entsprechend reagieren lässt.

Dr. Andreas Berke, Direktor der Höheren Fachschule für Augenoptik Köln (HFAK), hat sich eingehend mit dem sogenannten Funktionellen Sehen befasst und kommt zu dem Schluss, dass gutes Sehen mehr ist als nur ausreichend scharf zu sehen: „Je nach Situation sind unterschiedliche Sehfunktionen nötig, um ein Bild zu erkennen und richtig zu deuten. Die Sehschärfe kann daher nur ein Anhaltspunkt dafür sein, ob jemand gut sieht.“

Schlechte Sehschärfe bedeutet verlangsamte Reaktion
Umgekehrt kann eine nicht ausreichende Sehschärfe aber auch andere Sehfunktionen wie die Reaktionszeit beeinflussen – ein ganz entscheidender Faktor im Straßenverkehr, aber zum Beispiel auch beim Sport. Sarah Goltz und Michael Mühlhaupt haben sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit unter anderem mit diesem Thema beschäftigt. Ihre Untersuchungen haben ergeben, dass sich die Reaktionszeit bei Verschlechterung um eine Dioptrie je nach Altersgruppe um 21-26 Millisekunden verlangsamt, bei Verschlechterung um drei Dioptrien sogar um 52 Millisekunden.

Einmal im Jahr zum Optiker
Regelmäßige Tests zeigen, dass etwa jeder zweite Autofahrer nicht gut sieht – entweder, weil erstmalig eine Brille benötigt wird oder weil die Gläser der getragenen Brille bzw. die Kontaktlinsen nicht mehr die richtigen Werte haben. Aus diesem Grund ist der jährliche Besuch beim Augenoptiker absolut empfehlenswert, egal, ob Brillenträger oder nicht.

Der Fachmann für gutes Sehen kann zusätzlich zum Sehtest und Service rund um Brille und Kontaktlinse auch individuell beraten – beispielsweise zu speziellen Brillengläsern für Autofahrer. Optometristen bieten darüber hinaus weitere Überprüfungen des Sehvermögens an, die zur persönlichen Gesundheitsvorsorge für die Augen beitragen können.

Quelle: www.zva.de
Bild: MEV Verlag GmbH


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